Gespräch: Was bedeutet «Biographie-Arbeit»?
Lisbeth Herger (Biografikerin, Historikerin), Andrea Abraham (Forscherin), Basil Rogger (Moderation)
Wenn es ein Thema gibt im Feld der Fremdplatzierungen und der fürsorgerisch begründeten Zwangsmassnahmen, das bis heute beinahe unerforscht geblieben ist, dann sind es die innerfamiliären und innerverwandtschaftlichen Unterbringungen. Solche Platzierungen innerhalb der Familie/Verwandtschaft gab es nicht wenige, doch finden sich dazu meist keine schriftlichen Unterlagen. Zudem ist das Thema mit Scham behaftet – besonders wenn die bei Onkeln, Tanten oder Geschwistern platzierten Kinder unglücklich waren und misshandelt wurden.
Die Biografikerin und Autorin Lisbeth Herger setzt sich seit Jahren auch mit dieser innerfamiliären Fremdplatzierung auseinander – nicht zuletzt ausgelöst durch ihre eigene Familiengeschichte. In ihrer Arbeit hat sie nicht nur viel herausgefunden über dieses weitgehend unerforschte Phänomen, sondern auch darüber, was es bedeutet, sich seine eigene Familiengeschichte forschend und schreibend anzueignen. Biographien – so ihre Erkenntnis – bestehen nicht nur aus Fakten, sondern auch aus Erinnerungen, Erzählungen, manchmal Ahnungen und Befürchtungen. Und ausserdem aus Leerstellen, die zu erforschen auf Widerstand stossen. Man kann Biografien nicht einfach erinnern, manchmal müssen sie regelrecht «erschrieben» werden.
Zusammen mit der Sozialanthropologin und Biographie-Forscherin Andrea Abraham begibt sich Lisbeth Herger auf eine Reise in die Welt der Bio-Graphik, der Erinnerns und Erzählens.
Dauer: 90 min.
Sprache: Deutsch
Rahmenprogramm zur Sonderausstellung VERSORGT. VERDINGT. VERGESSEN?